Einsamkeit Made in Germany?
Einsamkeit betrifft Millionen Menschen in Deutschland und hat weitreichende gesundheitliche, gesellschaftliche und demokratische Folgen. Lange galt sie als individuelles Problem; erst 2023 schuf die Bundesregierung mit einem Strategiepapier einen politischen Rahmen. Dennoch fehlt dem Thema eine klare Priorisierung, obwohl Einsamkeit Politikverdrossenheit, Radikalisierung und den Rückzug aus gesellschaftlicher Teilhabe begünstigen kann.
Strukturelle Ursachen wie Armut, Migrationserfahrungen oder Diskriminierung marginalisierter Gruppen finden in politischen Debatten oft wenig Beachtung. Stattdessen wird Einsamkeit immer noch häufig individualisiert, während Narrative in Sozial- und Migrationspolitik soziale Ausgrenzung reproduzieren.
Zwar entstehen zunehmend kommunale Angebote und bundesweite Programme, doch viele Maßnahmen bleiben kurzfristig, unterfinanziert und lokal begrenzt. Verantwortung wird oft an Kommunen und Ehrenamt ausgelagert. Länder wie Großbritannien oder Schweden zeigen, dass Maßnahmen gegen Einsamkeit politisch stärker verankert werden können – muss Deutschland mehr tun?
Es diskutieren: Steven Commey-Bortsie (Juso-Bundesvorstand), Jana Schmöller (Dezernentin für Soziales, Kinder, Jugend und Gesundheit der Stadt Mainz), Katharina Schön (Leiterin Ehrenamtsbüro Mainz), Dr. Hans-Arved Willberg (Sozial- und Verhaltenswissenschaftler, Philosoph, Theologe, Autor).
Moderation: Elke Schilling (Gründerin Senioren-Telefon Silbernetz)
