Viele Gesichter – wenig Inhalt

In den Wahlkampagnen zur Bundestagswahl 2017 blicken viele Gesichter von tausenden von Plakaten und scheinen sogleich das Herzstück jedweder Partei zu bilden. Gleichwohl rücken dabei die eigentlichen Inhalte in den Hintergrund. Personalisierung ist dem Zeitgeist entsprechend. Medial lassen sich persönliche Geschichten leichter an die Rezipient*innen bringen und politische Prozesse und Parteien können einfacher dargestellt und vermittelt werden, wenn sie an einer Einzelperson festgemacht werden können. Durch die sozialen Medien wird direkt kommuniziert – der Umweg über parteiliche Pressestellen, Pressekonferenzen und Interviews mit Journalist*innen bleibt erspart. Doch was bleibt unter dem Strich von den Inhalten einer Partei übrig, wenn nach außen nur das Image oder die Haltung des*der Spitzenkandidat*in kommuniziert wird? Haben die Parteien den Bezug dazu verloren, was eigentlich wichtig ist – nämlich den politischen Sachthemen? Und wenn ja, wie kann man zu einer Sachpolitik zurückkehren? Ist Personalisierung gar eine bewusste Ablenkungsstrategie von inhaltlichen Schwächen einer Partei und deswegen erwünscht? Bedeutet Personalisierung überhaupt einen Verzicht auf Sachthemen – oder ist sie gar eine Bereicherung für die Mobilisation von Wähler*innen und zur Politikvermittlung?

Es diskutieren: Jutta Ditfurth (Autorin und Soziologin, Frankfurt am Main), Simon Kruschinski (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Publizistik, Universität Mainz), Prof. Dr. Christian Schicha (Professur für Medienethik,
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg), Martin Ferlesch (Wahlkampfberater, Ulm)

Moderation: Manfred Ladwig (Fernsehjournalist, SWR, Mainz)

Wann? [So] 11.30 Uhr | Drususstein

Bild ©Moritz Müller