Die Stadt ohne Juden

Stummfilm mit Livemusik, Österreich, 1924, von H. K. Breslauer, FSK: k. A., 80 Minuten

Um Utopia steht es schlecht: Wirtschaftsflaute, Inflation, massive Arbeitslosigkeit. Irgendwer muss doch schuld daran sein. Bestimmt diejenigen, denen es noch besser geht. Und das sind offenbar die jüdischen Mitbürger*innen. Und weil sie sowieso noch nie richtig dazugehört haben, müssen sie jetzt bezahlen … So oder ähnlich könnten die Gedankengänge der nicht-jüdischen Bürger*innen im Film verlaufen sein – deren Konsequenz dann auch umgesetzt wird. Die Romanvorlage (1921) und der Film (1924) zeigten ein gutes Gespür für den erstarkenden Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg und ergriffen Partei für die jüdische Bevölkerung. Auch die Konsequenzen dieses Antisemitismus werden erschreckend real prophezeit.
Lange Zeit war der Film verschollen, die 1991 wiederentdeckte Fassung war stark beschädigt. Erst 2015 wurde zufällig eine alte Filmrolle auf einem Pariser Flohmarkt gefunden. Letztes Jahr konnte das Filmarchiv Austria die Rekonstruktion und Digitalisierung der neuen Version abschließen. Umso mehr freut es uns, Euch diesen Film präsentieren zu können – live begleitet vom Stummfilmmusiker Andreas Benz.

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Regionalbüro Rheinland-Pfalz

Wann? [Fr] 24.00 Uhr | Drususstein

©Rosa-Luxemburg-Stiftung