Edgar Preugschat (Statementausstellung)

Der Ökonom von der TU Darmstadt mit dem OPEN OHR im Interview.

OPEN OHR Festival: Mit welchen Fragen in Bezug auf das Thema Wohnen beschäftigen Sie sich? 

Edgar Preugschat: In meiner ökonomischen Forschung beschäftige ich mich mit den Auswirkungen von Wohnungsmarktpolitiken, wie z.B. der Besteuerung von Hauserwerb oder dem sozialen Wohnungsbau, auf die ökonomische Ungleichheit sowie auf Mieten und Hauspreise.

OPEN OHR Festival: Was hat Sie motiviert , am diesjährigen OPEN OHR Festival teilzunehmen? Was fanden Sie spannend daran? 

Edgar Preugschat: Das OpenOhr-Festival ist ein spannender Ort für den Meinungsaustausch und für Diskussionen über wichtige gesellschaftliche Themen. Von meiner Teilnahme erhoffe ich mir, Einsichten aus der Forschung mit einem breiteren Publikum zu teilen zu können und selbst neue Impulse für die Debatte zu bekommen.

OPEN OHR Festival: Was sind Ihrer Meinung nach die relevantesten Probleme in Bezug auf Wohnen in der aktuellen Situation und für die Zukunft sind?

Edgar Preugschat: In der aktuellen Situation ist es natürlich vor allem wichtig, dass Maßnahmen zum Abbau der Wohnungsknappheit weiterentwickelt und schnell umgesetzt werden, denn auch während der Corona-Krise hat der Preisdruck bisher nur wenig abgenommen. Darüber hinaus hat der für Deutschland starke Preis- und Mietanstieg der letzten Jahre Auswirkungen auf die ökonomische Ungleichheit. Insbesondere ist zu befürchten, dass es durch die Preissteigerungen eine Zunahme der „Sortierung“ der Menschen in reichere und ärmere Wohngegenden geben wird. Dies hätte langfristigere Auswirkungen auf die gesellschaftliche Wohlfahrt und sollte neben dem Ziel der „bezahlbaren Miete“ von der Politik berücksichtigt werden. Damit aber gute Politiken entwickelt werden können, finde ich es auch sehr wichtig, eine größere Transparenz auf dem deutschen Wohnungsmarkt zu schaffen, denn Zahlen zu Mieten, Preisen und Immobilieninvestitionen sind immer noch recht lückenhaft.

Einen wesentlichen Punkt für die langfristige Entwicklung des Wohnens sehe ich darin, Sozialpolitik, Stadtentwicklung und Arbeitsmärkte stärker im Zusammenhang zu betrachten. Zum Beispiel nimmt in Deutschland das Pendeln weiterhin zu. Dass Menschen Arbeit und Familie mit Pendeln unter einen Hut bekommen wollen ist aus individueller Sicht sehr nachvollziehbar, aber dies hat eben auch gesamtgesellschaftliche Konsequenzen, wie die Zunahme des Verkehrs oder der Rückgang sozialer Interaktionen vor Ort. Um diese „Nebenwirkungen“ ein Stück weit abzumildern, muss Politik (und auch die Forschung) umfassender, quasi ressortübergreifender ansetzen und langfristiger denken. 

Edgar Preugschat (Ökonom, Postdoc an der TU Dortmund)

Foto ©Markus Scholz

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