Wohnsitzlos in Mainz e.V.

Theresa Lotichius über die aktuelle Lage wohnungsloser Menschen.

"Keinraumwohnung" für Wohnsitzlose

Als Verein für Wohnsitzlose und hilfsbedürftige Menschen in Mainz beschäftigt uns das Thema "Keinraumwohnung" Tag für Tag.

Eine Wohnung dient als Rückzugsort, als Schutzraum und als Basis für einen geregelten Alltag und ist ein Grundbedürfnis und ein Menschenrecht. Viele Wohnsitzlose müssen komplexe und besondere Lebenssituationen bewältigen, ohne die Sicherheit zu haben, am Ende des Tages "nach Hause" gehen zu können und sich auch einfach mal im eigenen Bett die Decke über den Kopf ziehen zu können, also zur Ruhe zu kommen. Wir unterstützen "housing first", ein Konzept, bei der die Unterbringung in eine eigene Wohnung der erste Schritt auf dem langen Weg ist.

„Wohnen ist Menschenrecht“

Nicht zuletzt in der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie wichtig auch die Schutzfunktion des Wohnraums ist, um auch die eigene körperliche Unversehrtheit zu ermöglichen. Stay home, stay safe - wie soll das auf der Straße funktionieren?

„Stay home für Wohnsitzlose?“ (Bild 1)

Die Situation in Mainz

Wie in allen Metropolregionen, Ballungsräumen und Universitätsstädten ist auch in Mainz der Wohnraum knapp. Steigende Immobilienpreise und Mieten zeichnen den Wohnungsmarkt seit Jahren und gehen einher mit steigender Wohnungsnot - hohe Nachfrage trifft auf zu wenig Angebot. Eine Mietpreisbremse kann - neben dem Zweckentfremdungsverbot, das dazu dient, Wohnraum zum Wohnen und nicht für touristische Zwecke zu nutzen - für Abmilderung sorgen. Aber natürlich stehen auch verstärkte Investitionen in sozialen Wohnungsbau im Fokus. 

„Nachverdichtung in der Stadt ist wichtig, um mehr Wohnraum zu schaffen“

Solange aber innerhalb der Stadt gebaut werden soll, müssen dafür auch Flächen bereitstehen, wie beispielsweise auf dem ehemaligen IBM-Gelände in Weisenau. Es braucht aber auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich auf neue Konzepte der Nachverdichtung innerhalb bestehender Wohngebiete einzulassen. 

Das Open Ohr 2020

Wohnsitzlos in Mainz e.V. ist ein Verein, in dem Menschen mit und ohne festen Wohnsitz eng zusammenarbeiten, um gemeinsam Lösungen zu finden. Das Open Ohr wollten wir nutzen, um auf die aktuelle Situation der Wohnsitzlosen in Mainz aufmerksam zu machen. Vielen Leuten ist nach wie vor nicht bewusst, wie viele Menschen auf der Straße "unter dem Radar" leben - auch wenn Corona ein wenig für die Situation sensibilisiert hat. Ziel war es auch, mit allen Interessierten ins Gespräch zu kommen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. 

„Liebe, Frieden, Harmonie“

Für das Open Ohr haben wir "unsere Obis", wie wir Wohnsitzlose liebevoll nennen, gefragt, was für sie das Wichtigste am Leben ist und gemeinsam mit ihnen diskutiert. Ein "langes, gesundes Leben", die eigene Familie, die Mutter, oder schlichtweg "am Leben zu sein" waren hier die häufigsten Antworten. Den besten Schutz für das eigene Leben bietet unserer Meinung nach - allem voran - eine eigene Wohnung. Die Straße ist hart und fast alle Obis haben als Begleiterscheinung ihres Lebens auf der Straße diverse Vorerkrankungen. Nach ihren größten Wünschen für die Zukunft gefragt, diskutierten wir über Liebe, Frieden, Harmonie, über Hunde als wichtigste Begleiter ("mein Hund soll ewig leben"), aber auch über das "Leben im Warmen", Grundstücke mit kleiner Hütte oder Bauwagen - also Unterbringungsmöglichkeiten weit ab von Lärm und Aufregung, ein Rückzugsort für Körper und Geist.

Wohnsitzlos in Mainz e.V. unterstützen

Wohnsitzlos in Mainz e.V. organisiert Sachspenden und leistet Soforthilfe in prekären Situationen.

Dabei arbeitet Wohnsitzlos in Mainz e.V. eng mit dem Tagesaufenthalt und der Kleiderkammer der Mission Leben gGmbH in Mainz zusammen, rettet Lebensmittel, bietet Frühstück und Mittagessen im Tagesauftenhalt sowie Selbstverteidigungskurse für Wohnsitzlose an, denn wohnsitzlose Frauen und auch Männer sind häufig Opfer von An- und Übergriffen, sexueller und diskriminierender Gewalt. Wohnsitzlos in Mainz e.V. organisiert Sachspenden je nach Bedarf über eine Facebook-Gruppe (aktuell ca. 1.300 Mitglieder). Nach direkter Absprache mit den Spendern werden die Sachspenden eingesammelt, denn oftmals ist es nicht möglich, die Spenden selbst vorbei zu bringen.

(Bild 2: Selbstverteidigungskurs mit George Ford )

(Bild 3 Unterhosen für alle - über 300 neue Unterhosen von M bis XXXL wurden Anfang des Jahres verteilt)

Aufgrund der Corona-Krise können wir als Verein keine privaten Sachspenden annehmen, weil wir es nicht schaffen, die Abholung kontaktlos zu koordinieren (hier fehlen oftmals Zeit und Einsicht) und können auch keine warmen Mahlzeiten austeilen: Viele Angebote sind in ihrer üblichen Form aktuell nicht möglich. 

TakeCare-Gutscheine (Bild 4)

Daher hat Wohnsitzlos in Mainz e.V. ein Konzept erarbeitet, um warme Mahlzeiten trotz Kontaktverbot zu ermöglichen und gleichzeitig der lokalen Gastronomie zu helfen: TakeCare-Gutscheine (www.takecare-gutscheine.de). 

Mithilfe von Spendengeldern kauft Wohnsitzlos in Mainz e.V. bei den lokalen Partnern (Pizzeria, Asia-Imbiss, Dönerladen, etc.) Gutscheine für je eine warme Mahlzeit zum Mitnehmen. Durch die Menge an Gutscheinen und die garantierte Abnahmemenge können die Gastro-Betriebe die Gutscheine etwas günstiger anbieten. Die TakeCare-Gutscheine werden vom Verein Wohnsitzlos in Mainz e.V. bei der Ausgabe der Lunchpakete im Tagesaufenthalt der Mission Leben in der Wallstraße mit ausgegeben. So kann die lokale Gastronomie gestärkt und den Wohnsitzlosen geholfen werden.

„Für viele Menschen ohne festen Wohnsitz ist neben der warmen Mahlzeit auch die Option, selbstbestimmt zwischen zwei oder drei verschiedenen Gerichten auszuwählen, ein essentieller Bestandteil der Lebensqualität“, erklärt Nathalie Böhm von Wohnsitzlos in Mainz. „Die Hilfsbereitschaft für die lokale Gastronomie auf der einen und für die Wohnsitzlosen auf der anderen Seite ist in diesen Zeiten enorm hoch – wir wollen beides zusammenbringen und einen Mehrwert für beide Seiten schaffen“, so Theresa Lotichius, die Initiatorin der Aktion.

Die TakeCare-Gutscheine werden unterstützt von der Aktion Mensch (Bild 5), der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, der Stadt Mainz und unserem Oberbürgermeister Michael Ebling.

Mit über 5.000 Gutscheinen konnten sogar einige kleine Gastronomie-Betriebe vor Ort durch die Wohnsitzlosen gerettet werden. 

 

Solidari-T-Shirt (Bild 6)

Mit dem Solidari-T-Shirt unterstützt ihr die Rockkneipe "Alexander the great" und kleidet die Obis in schicken Zwirn. Michael "Sweaty" Vogt ist Inhaber der Kult-Kneipen "Alexander The Great" und "Good Time" in Mainz. Seit Jahren setzt er sich für Wohnsitzlose ein, unterstützte uns auch bei der Vereinsgründung und ist immer, wirklich immer für uns (egal ob mit oder ohne festen Wohnsitz) da, wenn wir ihn brauchen ♥

Die Kult-Kneipen bleiben geschlossen, die Einnahmen fehlen - für uns genau der richtige Moment, um auch mal etwas zurück zu geben. Wir kaufen 101 Solidari-T-Shirts aus dem ATG-Merchandise-Shop, um unsere Obis in schicken Zwirn zu kleiden und gleichzeitig einen kleinen Beitrag zu leisten, damit die Vielfalt in Mainz nicht ausstirbt. Kauft ebenfalls ein Solidari-T-Shirt für euch, eure Freunde, oder gerne auch für uns :) 

 

So könnt ihr uns unterstützen:

Ebenso nehmen wir gerne Spenden entgegen:

 

Wohnsitzlos in Mainz e.V. | DE78 5085 2553 0016 1159 82 | Sparkasse Groß Gerau 

Für die Solidari-T-Shirts Spendenzweck: SolidariTShirt

Für die TakeCare-Gutscheine Spendenzweck: TakeCare

Für unsere alltägliche Arbeit Spendenzweck: Unterstützung

Als gemeinnützig anerkannter Verein können wir auch eine Spendenquittung ausstellen. Diese ist erst ab einem Zuwendungsbetrag von 200,00 € nötig – darunter können Spenden auch durch Kontoauszug beim Finanzamt steuerlich geltend gemacht werden.

Außerdem suchen wir immer Menschen, die uns tatkräftig unterstützen - in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Organisation und Planung und - sobald das wieder möglich ist - auch bei der Standbetreuung und für Feste.

Video: Dank an alle Spender

Brückenpreis (Bild 7)

Wohnsitzlos in Mainz e.V. wurde mit dem Brückenpreis der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei in der Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung“ ausgezeichnet. Am 30. November 2019 nahmen Nathalie Böhm, Sascha Bosai und Theresa Lotichius den Preis von Ministerpräsidentin Malu Dreyer entgegen.

Bild 1 bis 4 sowie 6 und 7 ©Wohnsitzlos in Mainz e.V., Bild 5 © Aktion Mensch e.V.

Bild 1 ©Wohnsitzlos in Mainz e.V.
Bild 2 ©Wohnsitzlos in Mainz e.V.
Bild 3 ©Wohnsitzlos in Mainz e.V.
Bild 4 ©Wohnsitzlos in Mainz e.V.
Bild 5 © Aktion Mensch e.V.
Bild 6 ©Wohnsitzlos in Mainz e.V.
Bild 7 ©Wohnsitzlos in Mainz e.V.